Im Oktober (und Anfang November) spiele ich aus der ersten Suite für Cello von J.S. Bach vier Sätze:

Courante

Sarabande

Menuett

Gigue

Courante (Wiederholung)

Die Cello Suiten waren bis zum letzten Jahrhundert fast in Vergessenheit geraten. Ein wenig kann ich das verstehen - wenn man an die auf Klang und das Herz ergreifende Harmonien orientierte Musik der Romantik denkt, können die Suiten schon etwas blutleer erscheinen. Was macht diese fast nackt daherkommenden Stücke dennoch so reizvoll? Ich muss dabei an den Satz denken: "In der Beschränkung zeigt sich der Meister." Was für eine Herausforderung an den Komponisten, mit einer Stimme die ganze Vielfalt der Musik einzufangen und ein ganzes Kaleidoskop von Bildern und Stimmungen entstehen zu lassen! Mit ein paar Stichworten möchte ich andeuten, wie diese Musik auf mich wirkt, und wie ich sie wirken lassen möchte: Tanz (alle Sätze sind Tanzmusik!), Spiel (im Sinne von Gedankenspielerei), Freiheit (als Einsicht in die Notwendigkeit!), Emotion (im Sinne von Bewegung), Dialog (eine gute Unterhaltung besteht auch nicht darin, dass mehrere Stimmen gleichzeitig sprechen!) ...

Ich kenne kaum ein Stück, von dem man so unterschiedliche Interpretationen hört. Der Spieler hat eine große Gestaltungsmöglichkeit. Ich versuche rhythmisch sehr streng zu spielen (wobei ich Auflösungen des Rhythmus, wie sie besonders in der Gigue sich anbieten, wahrnehme). Mein wesentliches Gestaltungselement ist die Dynamik.

Matthias Kreck